Rezension zu "Der Schatten des Windes"

von Carlos Ruiz Zafón

Dieser Roman erschien bei suhrkamp, ehedem führender Literaturverlag, und wird auch sonst als Literatur gehandelt.

Leider böse Irreführung, da reinrassige Kolportage in routinierter Schreibe vorliegt, und nicht einmal gute. Das Personal ist stereotyp und inszeniert eher zu viele bekannte Handlungselemente, zumeist unglaubhaft. Ich zähle mindestens vier unsterbliche Lieben, gewürzt mit Geschmacklosigkeiten: Einer opfert sein Leben für seinen Freund vor dessen Augen, und dem fällt nichts Besseres ein, als flugs die frische Witwe zu beschlafen: wahre Pietät! Vielmehr noch Schund als 'Seelenfutter', genauso wie der zum äußeren Reizmittel verkommene Geschwisterinzest. Musil würde sich wundern...

Übrigens lässt sich die Entwicklung infolge aufdringlicher Verweise frühzeitig erraten, und natürlich wird auch modische fantasy bemüht. Sogar sein Handwerk zeigt Mängel, wie z.B. wiederholtes Zerbrechen der Erzählperspektive.

Kurzum: der Autor bedient triviale Lesererwartungen. Lernen lässt sich nichts. Kein Wunder, dass ein Ehedem-Staatsmann und begabter Selbstdarsteller sowie die Leseübermutter der Nation sich vor Begeisterung überschlugen.

Allerdings finden sich versteckte Hinweise, dass der Autor diese Übertrivialschwarte satirisch gemeint haben könnte und sich über seine urteilsunfähigen LeserInnen lustig macht, die ihm jede Verwegenheit, d.h. logische und andere Zumutungen wörtlich abkaufen. Wenig fein, doch entspräche es der Tradition spanischen, ein wenig grausamen Humors. Dann wäre der Roman tatsächlich Literatur, allerdings keine gute.

Wer es dennoch viel genauer wissen möchte: unter  'Zafón oder das Triviale' findet sich eine hinreichend ausführliche Kritik.

- Dr. Phil. F. Ruff

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