Märchenhaft

Das kleine Weihnachtsgespenst

Es war Herbst, genauer ein Abend im Spätherbst. Ganz genau: Es war der Abend vor dem 1. Advent. Draußen pfiff ein kalter Wind: Huiiii. Er fegte die letzten Blätter von den Laubbäumen und wirbelte sie durch die Gärten und Straßen der kleinen Stadt. Hui huiiii.

Da blieben die Menschen lieber zu Hause in der warmen Stube, lasen in einem spannenden Buch oder ließen sich eine Geschichte vorlesen, wenn sie nicht gerade Stollen und Plätzchen für die Weihnachtsfeiertage buken. Wen wundert's, dass der Wind nur wenige eilige Passanten antraf, die er ärgern konnte. Huiii, fuhr er ihnen unter Mäntel und Kleider, riss ihnen die Hüte vom Kopf und ließ ihre Regenschirme umklappen; denn was besonders gemein war: Der hässliche Herbstwind hatte sich mit dem Regen verbündet. Ach, es regnete wie aus Eimern: Der Regen pladderte in dicken Tropfen auf die Dächer, schlug heftig gegen die Fenster und bildete Bäche und Pfützen auf den Gehwegen. Soo ein Unwetter! Da krochen alle Kinder, die schon im Bett lagen, noch tiefer unter die Decke, froh, dass sie nicht hinaus mussten.

Nur hoch droben, auf dem Dach des Stadtturms saß eine kleine weiße Gestalt, klammerte sich an die wild rüttelnde Wetterfahne und heulte mit dem Wind um die Wette: Huhuuuu  Huhuuu, während das weiße nasse Gewand im Winde flatterte. Huhuuuu.

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Eiszeit

Eine kleine Geschichte vom Ursprung und der Heilkraft keltischer Musik

Damals, im Westen des weiten Landes, als die Laubbäume ihre Blätter verloren, als die Gräser sich in die Erde zurückzogen und das Grün verschwand, da flogen auch die bunten Vögel mit den Blumen fort nach Süden, ihr Gesang war verstummt – und zurück blieb das Eis.

Unaufhaltsam war der Eisriese von Norden vorgedrungen, hatte Felsgestein zu Geröll zermalmt,  Lebendiges unter sich erstickt und mit ihm zuerst die Farben des Sommers, dann von Frühling und Herbst verschlungen. Auf seinem Rücken wuchsen Flechten und mageres Gehölz, in dem sich das verbliebene Leben mühsam behauptete. Den ewigen Winter hatte er verkündet; denn ewig andauern würde die Eiszeit.

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Die Wahrheit über das Sandmännchen

 

Kennst du die wahre Geschichte vom Sandmännchen? Nein? Dann will ich sie dir erzählen, wenn du mir versprichst dabei nicht einzuschlafen. Ich habe es schon mehrmals bei anderen Kindern versucht, die wurden plötzlich müde, gähnten und ‚wuppdich‘ schliefen sie ein - und verpassten das Ende.
Vielleicht haben wir beide heute mehr Glück. Wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen , bis du die ganze Wahrheit kennst: die Wahrheit über das Sandmännchen.
Manche Kinder sagen, das Sandmännchen gebe es nicht. Falsch! Natürlich gibt es das Sandmännchen. Es hat einen Vertrag mit dem Fernsehen und kommt dort jeden Abend zu uns: mal zu Fuß, mal in einem Paddelboot oder auf einem Pferdchen, und das ist noch nicht alles. Es kann Motorrad und Auto fahren und auch einen Hubschrauber lenken. 

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© 2017 Literatur I.L.RUFF