II. Jahresrückblick 2018

Jahresrückblick 2018 für alle Verwandten und Freunde, die sich vielleicht fragen:

Was macht Ingrid ? Warum hören wir nichts von ihr?

Hier meine Antwort, illustriert mit einigen Photos(leider nur per E-mail):

Es war ein ereignisreiches Jahr und ich -im Wortsinn- beschäftigt auf vielen Baustellen. Da sagen die Meisten: warum tut sie sich das nur an? Statt den Ruhestand zu genießen und die eine oder andere Reise zu machen, bzw. den 2. und 3. Lügenroman zu schreiben, schuftet sie bei Wind und Wetter auf ihrer Baustelle, reißt Mauern ein, pflastert zusammen mit einem Helfer den Hof, zieht mit ihm einen Gartenzaun an der Grundstücksgrenze usw. usw. und versucht ihre Handwerker bei Laune zu halten. Handwerker sind derzeit rar, manche sensible Gewächse, und Bauherren können nur mit Geld oder Wohlverhalten + jeder Menge Humor punkten. Wenn ich mich auch manchmal frage – wie beim Trecken in den Sudeten oder in Nepal, bevor sich Herz und Kreislauf gewöhnen: Warum tue ich mir das an?

Trotz aller Anstrengung habe ich weder das Eine noch das Andere bereut, und jeder, der mein Haus sieht sagt inzwischen nicht mehr (skeptisch): oh oh.., sondern: Wenn es erstmal fertig ist, wird es sehr schön sein. Wenn es erstmal fertig ist...aber da muss ich durch. Worum es geht? Es handelt sich um

  1. mein Sanierungsobjekt aus dem 17. Jhdt, seit Frühjahr 2017 ganz in meinem Besitz. Wegen einer Schulter OP August 2017 ging es erst Anfang 2018 los mit den Baumaßnahmen: Einstürzen eines zu hoch gelegenen Tonnengewölbekellers und Absenkung des Bodens im gesamten Parterre; Ersetzen einer Reihe schadhafter Balken; Abreißen des ehemaligen Schweinestalls und Pflasterung im Innenhof, s.o.; weiteres Entsorgen von jeder Art Mobiliar und Müll (vor allem letzteres), vom Vorbesitzer hinterlassen. Im April verursachten Handwerker bei Schweißarbeiten einen Schwelbrand, zum Glück von der Feuerwehr schnell gelöscht, die Polizei beließ es bei einer kostenpflichtigen Verwarnung wegen fahrlässig (nicht grob fahrlässig) verursachten Schadens. Mit ca 17.00€ hielt sich der Schaden in Grenzen, obwohl er die Arbeiten um mehr als 2 Monate verzögerte (zum Glück versichert). Von den drei auszubauenden Stockwerken ist das oberste zur guten Hälfte gediehen. Die Installationen für drei Wohnungen sind aufwändig und natürlich wesentlich teurer als gedacht. Aber da muss ich durch, (s.o.) und kann mich zum Glück auf die meisten Handwerker verlassen.

  2. Grundsatz 'Jetzt oder nie'! Deshalb habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt und eine kleine Eigentumswohnung in Görlitz gekauft, getreu dem neudeutschen Motto „Back to the roots“; ein weiterer Grund, öfter mit der Bahn zu fahren, wie es sich für eine Eisenbahnertochter gehört. Und kann man sich einen schöneren Bahnhof zum Umsteigen vorstellen als den Leipziger Hauptbahnhof? Dreimal Nein!

Zu verschiedenen Stadtfesten bin ich bereits nach Görlitz gereist, von dort mehrmals nach Polen, wie ich überhaupt den Osten für mich entdecke. Mein Loblied der Stadt Görlitz ist auf meiner Website zu finden www.literaturilruff.com. Danke, liebe Familie Panitz, dass Sie mir Asyl in Dresden boten, als ich den letzten Zug aus Görlitz verpasste. Das Leben kann spannend sein und immer wieder für Überraschungen gut.

  1. Statt langer Fernreisen gönnte ich mir im vergangenen Jahr nur Kurzurlaube in Deutschland und Europa; denn leider kann man seine Baustelle nicht lange allein lassen: Im Februar 2018 eine Woche deutsch-polnische Winterakademie im Schloss Wernersdorf im Hirschberger Tal; von den deutschen Besitzern zurück gekauft, saniert und zu einem fantastischen 5-Sterne-Hotel umgebaut.

Jedes Jahr im Februar wird zur Akademie geladen mit interessanten Referenten und Exkursionen in Schlesien. Ich freue mich bereits auf den nächsten Termin. Zwei Wanderreisen (Walwege in Südtirol und Wandern auf Elba) im April/Mai mussten sein, um mich von dem Brandschock zu erholen), ach ja, natürlich auch Ägypten Marsa Alam zu meinem Geburtstag Anfang März; Gelegenheit einen schweren Sturz -voll aufs Gesicht bei Blitzeis - auszuheilen. „Bitte lächeln“ sagte die Schwester, als sie mich in der Notaufnahme fotografierte. Dankbar würdigen will ich an dieser Stelle die unvergessliche Feier zur goldenen Hochzeit, zu der Ihr, liebe Dietlinde und lieber Dieter im August nach Bad Reichenhall und in ein zauberhaftes Berghotel über den Dächern von Salzburg geladen habt. „Passt scho“, höchstes fränkisches Lob wenn alles stimmt und nicht besser gemacht werden kann. Gut gemacht an meinen Potsdamer Neffen und seine Frau: Im 1. Anlauf Zwillinge zu bekommen. Das soll den beiden mal jemand nachmachen.

Und weil Kinder lärmen, anbei ein kleines Rätsel, am Bahnhof Görlitz gefunden. Die richtige Lösung ist dabei. Erstaunlich.

  1. Statt weit zu reisen, gehe ich allwöchentlich 3 Std. in die Therme nach Bad Staffelstein und lasse dabei außer meiner Schulter Geist und Seele behandeln. Tut gut!

  2. Im Vertrauen: auch meine Wohnung ist eine einzige Baustelle, seit meine liebe Haushaltshilfe mich nach ihrer Hüft-OP verlassen musste. Ja, Frau Sperber, Sie sind gemeint. Ich vermisse Sie so sehr und wage derzeit nicht, Gäste in meiner Rumpelkammer zu empfangen. Die Blamage...

Meinen nächsten Roman könnte ich gut leserlich auf den zahlreichen Staubflächen meiner Wohnung schreiben.

  1. Die nächste Heimsuchung: Mäuse, für mich die ersten Wohnungsmäuse nach über 70 Erdenjahren. Mein eigentlich kampfstarker Kater Onyx hat offensichtlich Frieden mit allen Geschöpfen geschlossen, was an und für sich verdienstvoll ist. Aber warum kann er bei Mäusen in der Wohnung keine Ausnahme machen? Sie interessieren ihn einfach nicht. Die erste huschte großohrig, knopfäugig mit beachtlich langem Schwanz im Wohnzimmer zwischen zwei Schrankteilen hin und her, quetschte sich auch zappelnd durch den engen Spalt der Schiebetür. Ich beobachtete sie fasziniert: was für ein zartes, goldiges Geschöpf, nie hätte ich dem 1. Impuls nachgeben können und sie in der Schiebetür zerquetschen. Das war vor über einem Monat. Inzwischen habe ich meine Meinung geändert, vor allem, nachdem sich in voll gestellten Ecken hinter Bücherregalen, in Schubladen -idealen Ruheplätzen und Bedürfnisanstalten für niedliche kleine Mäuse- die Hinterlassenschaften fanden: Kümmelartige Köttelchen, der scharf riechende Urin in -zum Glück nur- einer Ecke (saubere Maus). Inzwischen bin ich traumatisiert, untersuche schnüffelnd und mit Argusaugen das Mobiliar: Kümmel oder nicht Kümmel, das ist hier die Frage. Aus Vorsicht entscheide ich mich gegen das unschuldige Gewürz, ein Grund mehr, nach Monaten (oder Jahren?) die Inhalte sämtlicher Schubladen und alle verdächtigen Lebensmittel (Mäuse lieben Schokoladenkuvertüre) einer strengen Prüfung zu unterziehen und alles Offene zu entsorgen. Muss sein. Eine Woche stank es überall nach Minzöl aus der Apotheke (soll Mäuse vergraulen). Mein Urteil: Der Belästigungsfaktor von Minzöl wird nur von Mausurin getoppt. Immerhin.

Im Internet kann man von schrecklichen Flüchen „Scheiß-Mäusekacke“, über herzerweichende Hilferufe : “Ich ekle mich vor meiner eigenen Wohnung, kann nicht mehr schlafen, kriege Pickel“ zu mehr oder weniger hilfreichen Ratschlägen gelangen, z.B. Minzöl versprühen, s.o.,

Geräte an die Steckdosen anschließen die für Menschen unhörbare, für Mäuse unangenehme Töne im Ultraschallbereich produzieren. Wer sagt mir, dass solche Töne bei mir keinen Schaden anrichten, meine vom Bau gestressten Nerven nicht völlig zerrütten, selbst wenn ich sie nicht bewusst höre? Besser Finger weg von solchen Langzeitkillern. Damit sind wir bei den guten alten Mausefallen angelangt. Genauer, zwei verschiedene Lebendfallen und zwei Schlagfallen stehen bereit. Nachdem die 1. Maus die Lebendfallen mit Verachtung strafte, bzw. sich erdreistete, einen sorgfältig vorbereiteten Köder heraus zu fressen, ohne dass die Falle auslöste, stellten wir sie vor die Wahl: zwei Lebendfallen und zwei Schlagfallen auf dem Weg von einem Schrank zum anderen. Um es kurz zu machen. Sie wählte den Tod.

Die 2. fand sich am 1. Weihnachtstag in der Lebendfalle und wir entließen sie am Waldrand in die Freiheit. Sollte sie dort ihr Leben in den Fängen eines kleinen Raubtieres aushauchen, so war es wenigstens ein ökologisch sinnvoller Tod - und Preis der Freiheit.

Sollte das alles gewesen sein? Ich bereite mich innerlich auf den nächsten langschwänzigen, knopfäugigen Schicksalsschlag vor und als Germanistin bin ich mir sicher, Franz Kafka hätte daraus Stoff für eine seiner berühmten Parabeln geschöpft. Mehr: Wir dürfen vermuten, dass Großteile, wenn nicht alle seiner Parabeln auf die Auseinandersetzung mit einer Mäuseplage im alten Prag zurück gehen. Ursache und Keim einer existentiell bedrohlichen Verunsicherung, die sich zu einer Geist und Seele verschlingenden Kraft ausweitete, schließlich zu einer von Mäusebissen infizierten Wunde führte (vgl. die Parabel vom Landarzt), die kein Arzt heilen kann, von der wahrscheinlich auch moderne Musiker (z.B. die 1. allgemeine Verunsicherung) aus tiefster Seinserfahrung singen.

VII, Womit wir nach existentialphilosophischem Exkurs bei einer wichtigen, derzeit von mir vernachlässigten Baustelle angelangt wären. Der Literatur. Seit der Insolvenz meines Verlages wechseln sich tatenfreudige mit resignativen Phasen ab,

Mephisto: Denn alles was entsteht, verdient dass es zugrunde geht...

  1. Der 1. von drei Lügenromanen (Alles gelogen -von Stein und Eisen) samt launigen Bildern ist seit fast einem Jahr auf meinem Blog nachzulesen,: www.literaturilruff.com, aber noch keinem Verlag vorgelegt. Zu viele Baustellen fordern meinen Einsatz.

Eine letzte Korrekturlesung der über 400 Seiten steht noch aus. Ich ringe mit den Tücken der digitalen Technik rund um PC und Website, Organisation und Arbeiten am Bau belasten, zudem führe ich einen Prozess gegen den Verkäufer des Sanierungsobjekts wegen wissentlichem – also betrügerischem- Verschweigen von schweren Baumängeln (Mängel wie morsche Balken von ihm zugefliest, zubetoniert und mit Knaufwänden zugestellt). Vielleicht später Stoff für literarische Verarbeitung, derzeit ein schweres Hemmnis. Aber da muss ich durch, s.o., bzw. „Wir schaffen das.“ (Zitat September 2015)

Bilder zu den „Baustellen“ finden sich im Anhang (der E-mails).

Mögen wir dem kommenden Jahr frohgemut und optimistisch begegnen.

In diesem Sinne winken wir 2018 unser Lebwohl zu und heißen das neue Jahr 2019 willkommen.

Herzlichst

Ingrid L. Ruff

Nachtrag: Heute wurde eine 3. Maus gesichtet

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