II. Nachdenken über unerfüllte Träume und technisches Unvermögen löschen!

II. 2 Nachdenken über unerfüllte Träume und technisches Unvermögen.


Sprechen über das Scheitern; denn auch ich bin Sisyphos, wälze täglich den Stein. Mein Traum von einer Schriftstellerkarriere, wenigstens von verdienter Anerkennung hat sich nicht erfüllt: drei Bände über einen kleinen Verlag heraus gebracht, alle drei mit Fleiß und Überzeugung - und wie ich meine - mit literarischem Können geschrieben. Vielleicht keine Texte für Jedermann, aber für alle, die meinen Stil und die Inhalte zu schätzen wissen. Schon das erste Buch, meine Tigerparabel war mir eine Herzenssache, weshalb ich den Schwur ablegte, es dem Schutz kleiner und großer Katzen zu widmen, also ohne Gewinnabsicht, was mir das Finanzamt inzwischen vorwirft. IMAGO, nach Überzeugung meines Mannes überragend, behandelt Probleme der Gentechnik und was unser Menschsein ausmacht. Kaum einer kennt es, und vonseiten der Entscheidungsträger ( - oh, nicht die Leser sind es -)begegnet mir eine unerträgliche Arroganz: gegenüber Neulingen, gegenüber Autorinnen, zumal wennsie bei einem sogenannten Zuschussverlag veröffentlicht wurden: Das kann doch nichts sein. Passend dazu das zweischneidige Lob nach einer Lesung in Leipzig: Ich habe nicht gedacht, dass in einem Zuschussverlag so ein guter Text erscheint...

Meine Erfahrung: Das Gute setzt sich nicht von alleine durch. Kein Selbstläufer (da irrte Dr. Ruff). Auch IMAGO erhielt nicht die Unterstützung,"die es braucht und verdient" ( aus einem Schreiben Herrn Frankls von der dtv. Verlagsleitung).

Apropos scheitern: Vor technischen Herausforderungen kapituliere ich, meide Gebrauchsanweisungen und gebe zu schnell auf, wann immer mich Zahlen anspringen, was mir neben sehr guten Leistungen im Deutschen schlechte Noten in Mathematik bescherte. Damals kein Problem für mich, zumal das Punktesystem unserer Kollegstufen noch nicht existierte. Unglücklich verliebt sein - wie ich über zwei Jahre vor dem Abitur - verschiebt außerdem die Prioritäten. Inzwischen - zu spät - sehe ich es anders .

Begreife, dass vielseitiges Denken die Hirnfunktionen auf vielen Gebieten fördert. Schluss mit den Sackgassen. Denn Neuronen verknüpfen sich, wo immer unser Denken gefordert wird, d.h. neue Wege, Straßen und Bahnen entstehen, auf denen unsre Gedanken schwimmen können, Abkürzungen schaffen und Lösungen präsentieren. Bei mir geschieht das meistens, wo Texte im Spiel sind.

Funktioniert leider schlecht bei Zahlen. Wie traurig bei mir der Zustand der meisten mit Zahlen gepflasterten Denkwege und -Straßen. Ungepflegt durch jahrelange Vernachlässigung. Wichtige Verkehrszeichen wie Dreisatzregeln, %Rechnungen, Brüche, Infinitisimalformeln der Algebra, Geometrie, Mengenlehre, Rentenrechnungusw. usw. unleserlich, umgestürzt, verwittert. Untauglich für größere Herausforderungen als denen des Alltags. Gedächtnislücken gleich Schlaglöchern unterbrechen die verbliebenen neuronalen Verbindungen, Untiefen und verschlammte Bereiche, in denen das logische Denken allzuleicht versinkt. Welcher Reparaturtrupp - sprich Nachhilfelehrer - würde sich einer derart vernachlässigten Strecke erbarmen? Zumal mit endgültiger Stilllegung in absehbarer Zeit zu rechnen ist. Bis dahin gilt es wenigstens einen Notdienst aufrecht zu erhalten

für PC und Smartfon, auf Bahnen höherer Mathematik verzichten, die verbleibenden Pfade von Wucherungen inferiorer Zahlensysteme befreien, als da wären Börsennachrichten, Aktienkurse oder die Verlautbarungen der geschlossenen Fonds kurz vor der Insolvenz.

Manchmal hilft Kopfrechnen, den komplizierter werdenden Alltag bewältigen, und sei es das Addieren der Arztrechnungen für meine Krankenkasse. PC und Handy mehr als die Basisdienste abzuverlangen weigere ich mich, bin zufrieden mit meinem Nokia, den ich gebraucht bei e-bay erstanden habe. Will nicht zu denen gehören, die in Bus und Bahn, am Strand oder unterwegs in der Stadt auf ihre displays starren: zu Dutzenden, ach was, zu Hunderten sehe ich sie, Abhängige, den Blick starr auf ihre Mobiles geheftet. Nicht mein Ideal, nicht meine Zukunft.

Der PC ist für mich nur notwendiges Werkzeug für Texte und Fotos; nicht mehr. Wichtiger: den Kopf frei halten für das, was mich interessiert. Ich habe keine Zeit zu verschenken, bin meistens nicht erreichbar, also frei.